
Hühnerfutter selber machen: Lohnt sich das?
Hühnerfutter selbst mischen: Grundrezept, richtige Nährstoffbalance, fermentiertes Futter und ein ehrlicher Kostenvergleich zum Fertigfutter.
Fertiges Hühnerfutter aus dem Handel deckt den Nährstoffbedarf zuverlässig ab. Trotzdem fragen sich viele Halter, ob sie das Futter auch selbst mischen können – aus Freude an der Sache, für bestimmte Zutaten oder um Reste zu verwerten. Grundsätzlich geht das, erfordert aber Wissen über die Nährstoffbedürfnisse von Legehennen. Hier bekommst du ein Grundrezept, das richtige Mischverhältnis und einen ehrlichen Kostenvergleich.
Nährstoffbedarf einer Legehenne
Eine legende Henne braucht täglich etwa 120–150 g Alleinfutter mit dieser Zusammensetzung:
- Rohprotein: 16–18 % (für die Eierproduktion unverzichtbar)
- Kalzium: 3,5–4 % (für stabile Eierschalen)
- Phosphor: 0,3–0,5 %
- Methionin: 0,35 % (essenzielle Aminosäure)
- Vitamine A, D3, E und B-Komplex in ausreichender Menge
Diese Balance ist der Grund, warum professionell hergestelltes Legemehl so effektiv ist – es ist genau auf diese Werte abgestimmt.
Der einfachste Weg: Körnermischung plus Legemehl
Der unkomplizierteste und sicherste Ansatz für Hobbyhalter ist die Kombination aus einer fertigen Körnermischung und Legemehl – üblich ist ein Verhältnis von etwa 1:1. Das Legemehl liefert die ausgewogene Nährstoffbasis (Protein, Kalzium, Aminosäuren, Vitamine), die Körner sorgen für Abwechslung, Beschäftigung und Energie. Eine gute Premium-Körnermischung als Basis nimmt dir das aufwendige Einzelkauf-Abwiegen ab:

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Grundrezept für eine eigene Körnermischung
Wenn du selbst mischen willst, eignet sich dieses Rezept als Ergänzung zum Legemehl – nicht als alleinige Fütterung.

Für 10 kg Mischung:
- 4 kg Weizen – Hauptenergielieferant
- 2 kg Mais (geschrotet) – Energie und Beta-Carotin für gelbe Dotter
- 2 kg Gerste – Ballaststoffe und langsame Energiefreisetzung
- 1 kg Sonnenblumenkerne – Fett und Protein
- 0,5 kg Erbsen (geschrotet) – pflanzliches Protein
- 0,3 kg Muschelkalk – Kalzium für Eierschalen
- 0,2 kg Leinsaat – Omega-3-Fettsäuren
Wichtig: Diese Mischung allein reicht für Legehennen nicht aus. Es fehlen essenzielle Aminosäuren (Methionin, Lysin) und Vitamine. Sie sollte daher nur 30–50 % der Tagesration ausmachen, der Rest Legemehl.
Legemehl selber machen: geht das?
Viele suchen gezielt danach, Legemehl selbst zu machen. Ehrlich gesagt ist das schwierig, denn Legemehl ist ein fein abgestimmtes Alleinfutter – mit genau dosiertem Protein (16–18 %), Kalzium (3,5–4 %), den essenziellen Aminosäuren Methionin und Lysin sowie den Vitaminen A, D3, E und B. Gerade Methionin und Vitamin D3 lassen sich mit reinen Hausmitteln kaum zuverlässig abdecken.
Wer es trotzdem versuchen möchte, kommt mit dieser Basis nahe heran – am besten alles fein geschrotet:
Für 10 kg „Legemehl-Ersatz":
- 4 kg Weizen (geschrotet)
- 2 kg Mais (geschrotet)
- 1,5 kg Erbsen oder Ackerbohnen (geschrotet) – pflanzliches Protein
- 1 kg getrocknete Mehlwürmer oder Insektenmehl – tierisches Protein (liefert die Aminosäuren)
- 0,8 kg Muschelkalk oder Austernschalen – Kalzium für feste Schalen
- 0,4 kg Sonnenblumenkerne + 0,2 kg Leinsaat – Fett und Omega-3
- 1 Mineral- und Vitaminvormischung fürs Geflügel nach Packungsangabe – deckt Methionin, Vitamin D3 & Co. ab
Ohne die Mineral-Vitamin-Vormischung bleibt selbst gemischtes Legemehl unvollständig. Für die meisten Hobbyhalter ist ein gekauftes Legemehl als Basis deshalb der sicherere und kaum teurere Weg.
Protein, Grünfutter und Grit nicht vergessen
Drei Bausteine machen aus einer Körnermischung erst eine artgerechte Ernährung:
- Tierisches Protein: Getrocknete Mehlwürmer oder Insektenmehl liefern hochwertiges Eiweiß und werden geliebt. Freilaufende Hühner decken einen Teil über Würmer und Insekten selbst.
- Grünfutter: Frischer Rasenschnitt, Gemüseblätter, Kräuter und Gemüse wie Karotten bringen Vitamine und Abwechslung.
- Grit und Muschelkalk: Kleine Magensteinchen (Grit) sind nötig, damit Hühner Körner im Muskelmagen zerkleinern können. Muschelkalk oder Austernschalen liefern zusätzliches Kalzium für feste Schalen.
Auch Küchenabfälle lassen sich sinnvoll verwerten – aber nur die geeigneten.

Fermentiertes Futter
Eine beliebte Variante unter erfahrenen Haltern:
- Körnermischung in einen Eimer geben
- Mit Wasser bedecken (2–3 cm über dem Korn)
- 3–4 Tage bei Raumtemperatur stehen lassen, täglich umrühren
- Es bilden sich Milchsäurebakterien (natürliche Fermentation)
Vorteile: bessere Nährstoffverfügbarkeit, unterstützt die Darmgesundheit, Hühner fressen es besonders gern. Achtung: bei warmem Wetter maximal 3 Tage fermentieren. Riecht es unangenehm oder bildet sich Schimmel – sofort entsorgen.
Kosten im Vergleich
Was kostet welches Futter pro Kilogramm?
- Fertiges Legemehl: 0,80–1,20 € – komplett ausgewogen
- Eigene Körnermischung: 0,60–0,90 € – nur als Ergänzung geeignet
- Bio-Legemehl: 1,50–2,50 € – ökologische Zutaten
Die Ersparnis durch eigenes Mischen ist also gering. Wer aber Wert auf bestimmte Zutaten legt oder einen Landhandel in der Nähe hat, kann einzelne Getreidearten günstig einkaufen.
Häufige Fehler beim Selbstmischen
- Zu wenig Protein: Getreide allein liefert nur 10–12 % Protein, Legehennen brauchen 16–18 %
- Kalziummangel: ohne Muschelkalk oder Austernschalen werden die Eierschalen dünn – ein Mangel kann sogar zum Eierfressen führen
- Fehlende Vitamine: vor allem Vitamin D3 ist im Winter knapp und lässt sich nicht über Getreide decken
- Einseitige Mischung: nur Weizen und Mais reicht nicht – Abwechslung ist entscheidend
Was Hühner auf keinen Fall fressen dürfen
Beim Selbstmischen und Verwerten von Resten ist Vorsicht geboten – einige Lebensmittel sind für Hühner giftig oder schädlich:
- Rohe oder grüne Kartoffeln und grüne Tomaten (Solanin)
- Avocado (Persin – für Vögel giftig)
- Rohe Bohnen (enthalten giftiges Phasin)
- Zwiebeln in größeren Mengen
- Stark gesalzene, gewürzte oder frittierte Speisen
- Schimmeliges oder verdorbenes Futter – niemals verfüttern
Im Zweifel gilt: Was du selbst nicht essen würdest, gehört auch nicht in den Hühnernapf.
Futter nach Jahreszeit anpassen
Der Bedarf ändert sich übers Jahr:
- Winter: etwas mehr energiereiche Körner (Mais) helfen, die Kältephasen zu überstehen
- Sommer: mehr Grünfutter und wasserreiches Gemüse, immer reichlich frisches Wasser
- Mauser (Herbst): erhöhter Proteinbedarf fürs neue Gefieder – tierisches Protein wie Mehlwürmer zufüttern
- Ganzjährig: Grit und Muschelkalk müssen immer frei verfügbar sein
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich komplett auf Fertigfutter verzichten?
Das ist nur mit sehr fundiertem Wissen über Geflügelernährung sinnvoll. Für die meisten Hobbyhalter empfiehlt sich die Kombination: Legemehl als Basis plus selbst gemischte Körnermischung als Ergänzung.
In welchem Verhältnis mische ich Körner und Legemehl?
Üblich ist etwa 1:1 – eine Hälfte Körnermischung, eine Hälfte Legemehl. Das genaue Verhältnis hängt von Rasse, Aktivität und Jahreszeit ab; im Winter darf der energiereiche Körneranteil etwas höher sein.
Wie lagere ich selbst gemischtes Futter richtig?
Trocken, kühl und dunkel in verschlossenen Behältern. Feuchtigkeit führt zu Schimmel. Mische nur Mengen, die innerhalb von 4–6 Wochen verbraucht werden.
Welche Proteinquellen kann ich beimischen?
Erbsen, getoastete Soja, Sonnenblumenkerne und Leinsaat sind gute pflanzliche Quellen. Getrocknete Mehlwürmer oder Insektenmehl liefern tierisches Protein und werden von Hühnern geliebt.
Wie viel Futter braucht ein Huhn am Tag?
Eine durchschnittliche Legehenne frisst etwa 120–150 g Futter pro Tag. Der genaue Bedarf hängt von Rasse, Größe, Aktivität und Jahreszeit ab – im Winter und bei viel Auslauf etwas mehr. Biete das Futter am besten zur freien Aufnahme an, damit jede Henne ihren Bedarf deckt.
Kann man Legemehl für Hühner selber machen?
Grundsätzlich ja, aber nur schwer vollwertig: Legemehl ist ein exakt ausbalanciertes Alleinfutter. Selbst gemischt brauchst du unbedingt eine tierische Proteinquelle (z. B. Mehlwürmer), Muschelkalk fürs Kalzium und eine Mineral-Vitamin-Vormischung, um Methionin und Vitamin D3 abzudecken. Einfacher und sicherer ist gekauftes Legemehl als Basis plus eine eigene Körnermischung.
Passend dazu: Legeleistung steigern
Fazit
Hühnerfutter selber mischen kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt professionelles Legemehl aber nicht vollständig. Für die meisten Hobbyhalter ist die Kombination aus Legemehl als Basis und einer Körnermischung als Ergänzung der beste Weg – abgerundet mit Grünfutter, etwas tierischem Protein und immer verfügbarem Grit und Muschelkalk.
Welche Küchenabfälle dürfen Hühner fressen? →
Welche Kräuter sind gesund für Hühner? →
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